Klein, kleiner, Hörgeräte

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v.l.n.r: Siemens iMini 701 - Phonak nano - LyricDas Jahr 2011 war bei Hörgeräten von Innovationen geprägt wie schon lange nicht mehr. In keinem Jahr zuvor kamen so viele neue Technologien und so kleine Hörgeräte auf den Markt wie letztes Jahr. Denkt man nämlich an die ersten Hörgeräte zurück, bekommt man schon fast das Fürchten, angesichts der damaligen Grösse und Schwere der Geräte. Im Vergleich dazu sind aktuelle Hörgeräte wahre Winzlinge mit modernster digitaler Signalverarbeitung. Hier ein Rückblick auf die wichtigsten Neuentwicklungen:

Siemens iMini 701

Mit iMini 701 entwickelte der deutsche Hörgerätehersteller Siemens das erste für die breite Masse brauchbare IIC (Invisible in Canal) Hörgerät. Frühere Modelle anderer Hersteller waren oft wegen den fehlenden anatomischen Voraussetzungen nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung herstellbar.

Wie alle Im-Ohr Hörgeräte wird auch iMini nach einem Abdruck des Gehörganges individuell für jeden Kunden hergestellt. Siemens benützt dabei für die Schale - die äussere Form des Gerätes - ein neu entwickeltes, keramik-ähnliches Material, das nicht nur stabil, sondern auch extrem glatt ist. Das komplett in Handarbeit gefertigte Gerät kommt dank des neuen Materials in einem schicken elfenbeinweissen Gewand daher. Im Inneren werkelt der neueste Mikrochip „Digital 7“, eine Eigenentwicklung von Siemens (in der 701 Variante) die keine Wünsche offen lässt. Hervorzuheben sind die in vier Kanälen arbeitende Störlärmunterdrückung, das SoundSmoothing, welches spitze Töne weich macht und der FeedbackStopper, der zuverlässig störendes Pfeifen verhindert.

Phonak nano

Der Schweizer Hörgerätehersteller Phonak aus Stäfa ZH führte anfangs 2011 seinen neuen Mikrochip Namens Spice ein, der mit einer neuen und verbesserten Signalverarbeitung arbeitet. Kurze Zeit später wurde die Signalverarbeitung nochmals verbessert, um einige Funktionen erweitert und als Spice+ relaunched. Mit Spice+ wurde auch das IIC-Gerät nano verfügbar.

Auch nano wird nach einer Gehörgangsabformung individuell für jeden Kunden hergestellt. Phonak verwendet dabei als Schalenmaterial ein Gemisch aus Photoplast und Keramik, welches bei geringer Wanddicke sehr stabil ist; damit kann der Spice+ Mikrochip sicher seine Arbeit verrichten. Nano verfügt dabei über die übliche hervorragende Phonak Qualität mit bewährten Funktionen wie z.B. SoundRecover. SoundRecover eignet sich für Menschen, die gewisse Frequenzen nicht mehr hören. Es gibt dabei hohe Frequenzen in einem tieferem Spektrum wieder, so dass sie wieder wahrgenommen werden.

Lyric

Lyric, ein Novum in der Hörgeräteindustrie, kommt mit einem völlig neuem Trage- und Vertriebskonzept auf den Markt. Seinen Ursprung hat es in Amerika, wo das Gerät entwickelte und bereits seit drei Jahren auf dem Markt erfolgreich besteht. Durch die Übernahme des Herstellers durch Sonova schaffte es das Gerät Anfangs 2011 über den grossen Teich nach Europa und in die Schweiz. Das erste in der Schweiz angepasste Lyric erhielt ein Landwirt aus St.Gallen.

Lyric stellt eine neue Geräteklasse dar und wird tief im Ohr getragen, so dass es von Aussen nicht sichtbar ist. Erhältlich ist es in sechs unterschiedlichen Grössen, die sich für gut 30% der europäischen Ohren eignen. Das herausragende an Lyric ist, dass es im Gegensatz zu konventionellen Hörgeräten permanent bis zu vier Monate im Ohr getragen wird, Tag und Nacht. So wird das regelmässige Reinigen der Hörgeräte überflüssig und der Batteriewechsel entfällt. Nach ca. vier Monaten ist die fest verbaute Batterie leer und das Gerät wird gegen ein Neues ersetzt; das Verbrauchte wird recycelt. Diese regelmässigen Wechsel bedingen ein neuartiges Vertriebssystem, nämlich als Abonnement. Man kauft sich sozusagen ein Jahr lang „gutes Hören“. In einem Abo sind pro Jahr bis zu sieben Geräte pro Ohr enthalten und im Fall einer Weiterentwicklung von Lyric erhält man automatisch die neueste Version und bleibt „State of the Art“.

Schöne neue Welt, aber…

So beeindruckend die neuen Winzlinge auch sind, man muss einen Kompromiss eingehen. Nahezu alle Hersteller führen heute in ihrem Sortiment Zubehör, das einen echten Mehrwert für den Hörgeräteträger darstellen. Das Zubehör reicht von einfachen Fernsteuerungen, zum lauter und leiser stellen, über kabellose Verbindungen zu TV und Radio bis zu Multifunktionsgeräten, die sogar den Anschluss via Bluetooth ans Handy erlauben. Die verfügbaren Funktionen sind vielseitig aber nicht jedermanns Geschmack. Wer aber nicht darauf verzichten will, bekommt alle Funktionen in nicht ganz so kleinen hinter-dem-Ohr Hörgeräten, die ebenfalls kaum sichtbar sind. Oder wann haben Sie das letzte Hörgerät auf der Strasse gesehen?